Überbiss

Überbiss (Prognathie)

Beim Überbiss (Angle-Klasse II) steht der Oberkiefer vor, weil er im Verhältnis zum Unterkiefer zu groß (Maxilläre Prognathie) bzw. der Unterkiefer zu klein ist (Mandibuläre Retrognathie). Die oberen Schneidezähne haben dadurch zu viel Abstand von den unteren Schneidezähnen. Im Normalgebiss beträgt er nur etwa zwei Millimeter.

Diesen Zwischenraum zwischen den Schneidekanten der oberen und unteren Zähne nennt man "Frontzahnstufe". Die oberen Schneidezähne können dabei nach außen gekippt (Angle-Klasse II/1) oder nach innen verschoben (Angle-Klasse II/2) sein. Gelegentlich sind auch nur die mittleren Schneidezähne nach innen gekippt, während die äußeren nach außen weisen. Nach innen gekippte obere Schneidezähne können Druck auf die unteren Schneidezähne ausüben und diese ebenfalls nach innen verschieben. Dann entsteht ein Deck-/Tiefbiss: Bei geschlossenen Zahnreihen sind nur die Schneidezähne des Oberkiefers zu sehen.
Überbiss

Wie wirkt sich ein Überbiss aus?

Je nach Ausprägung des Überbisses können folgende Probleme entstehen:

- Bei einem Sturz ist das Verletzungsrisiko für die oberen Schneidezähne erhöht.
- Das Abbeißen mit den Schneidezähnen kann stark erschwert sein.
- Wenn der Überbiss den Mundschluss beeinträchtigt, ist das Risiko für eine Karies insbesondere der oberen Schneidezähne erhöht, weil sie nicht mehr genügend vom Speichel umspült werden. Außerdem kann es zur ungünstigen Mundatmung kommen, die mit häufigen Erkrankungen der oberen Atemwege einhergeht.
- Nicht zuletzt beeinträchtigt ein Überbiss das Gesichtsprofil ("fliehendes Kinn", "Hasenzähne").

Erfahren Sie hier mehr zu den Ursachen.
Tiefbiss und Deckbiss

Tief- und Deckbiss

Im normalen Gebiss bedecken die oberen Schneidezähne beim Zusammenbeißen die unteren etwa zwei bis drei Millimeter. Beim Tiefbiss hingegen reichen sie zu weit nach unten und bedecken die Schneidezähne im Unterkiefer. Beim Deckbiss sind die oberen Schneidezähne zusätzlich nach innen gekippt. Die oberen Schneidezähne können das Zahnfleisch berühren (Gingivakontakt) oder sogar verletzen (Traumatischer Gingivakontakt) bzw. die unteren Schneidezähne den Gaumen berühren.

Wie wirkt sich der Deck-/ Tiefbiss aus?

Durch diese Fehlstellung kann der Gaumen oder das Zahnfleisch unterhalb der unteren Schneidezähne verletzt werden. Das Gewebe bildet sich als Folge im Laufe der Zeit zurück. Außerdem kann es zu Kiefergelenksbeschwerden kommen.
Probleme mit festen Zahnspangen

Ursachen und Behandlung

Sowohl Tief- als auch Deckbiss sind meist genetisch bedingt. Sie gehen häufig mit einem Überbiss einher.

Wie wird diese Zahnfehlstellung behandelt?

Liegt zusätzlich ein Überbiss vor, wird dieser ursächlich behandelt: Bei Kindern wird das Wachstum des Oberkiefers gehemmt bzw. das Wachstum des Unterkiefers gefördert. Bei Erwachsenen ist in vielen Fällen eine zusätzliche kieferchirurgische Therapie notwendig.

Bei der Behandlung des Tief- bzw. Deckbisses können darüber hinaus die verlängerten oberen Schneidezähne vorsichtig in den Kiefer zurückbewegt (intrudiert) werden bzw. zu kurze Seiten und untere Schneidezähne zum Herauswachsen bewegt (extrudiert) werden.
Vorbiss

Vorbiss - Angle-Klasse 3

Bei einem Vorbiss (Angle-Klasse III) ist der Unterkiefer im Verhältnis zum Oberkiefer zu lang (Mandibuläre Prognathie) bzw. der Oberkiefer im Verhältnis zum Unterkiefer zu klein (Maxilläre Retrognathie).

Das beeinträchtigt den Zusammenbiss der Zähne: Die unteren Schneidezähnen beißen über die oberen Schneidezähne (frontaler Kreuzbiss). Den Abstand zwischen den Kanten der Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer nennt man Frontzahnstufe. Sie wird bei einem Vorbiss in Millimeter und mit einem Minuszeichen angegeben, z. B. - 4mm: Die unteren Schneidezähne stehen vier Millimeter vor den oberen Schneidezähnen.
Vorbiss

Wie wird ein Vorbiss behandelt?

Im Kindes- und Jugendalter wird das Wachstum des Unterkiefers gehemmt und das des Oberkiefers gefördert. Bei einem starken Vorbiss ist oft bereits ein Beginn der Behandlung im Milchzahngebiss sinnvoll. Nicht immer reicht die kieferorthopädische Therapie aus, um einen Vorbiss zu korrigieren. Sobald das Kind ausgewachsen ist, wird, sofern erforderlich, eine kieferchirurgische Therapie vorgenommen.

Erfahren Sie hier mehr zu den Angle-Klassen.
Tiefbiss und Deckbiss

Engstand / Platzmangel

Bei einem Engstand finden die Zähne nicht genügend Platz. Daher wachsen sie nicht vollständig heraus oder verbleiben ganz im Kiefer. Sie können auch schief oder gedreht stehen. Man unterscheidet folgende Formen des Engstands:

1. Primärer Engstand

Beim primären Engstand passen Zahngröße und Kiefergröße nicht zusammen: Die Zähne sind zu groß für den Kiefer bzw. der Kiefer zu klein oder zu schmal. Diese Form des Engstands ist vererbt, z. B. kann ein Kind von einem Elternteil die große Zahnform und von dem anderen die schmale, kleine Kieferform geerbt haben.

Umgekehrt ist es auch möglich, dass die Zähne im Verhältnis zur Kieferform zu klein sind. Dann entstehen Zahnlücken.
Engstand
2. Sekundärer Engstand

Ein sekundärer Engstand entsteht, wenn die Seitenzähne im Milchzahngebiss zu früh fehlen. Dadurch wandert der erste große bleibende Backenzahn (der so genannte 6-Jahres-Molar) nach vorne und verengt den Platz für die später hervortretenden Frontzähne und kleinen Backenzähne.

Eine tiefe Karies ist die häufigste Ursache für eine frühzeitige Entfernung der Milchzähne. Mit einer sehr guten Zahnpflege können Sie sie erfahrungsgemäß effektiv vermeiden.

Selbst wenn die Milchzähne nicht erhalten bleiben können oder beispielsweise bei einem Unfall verlorengegangen sind, muss sich kein Engstand entwickeln. Mit einem Platzhalter (Lückenhalter) kann die Lücke frei gehalten werden, bis sich die bleibenden Zähne zeigen.
Vorbiss
3. Tertiärer Engstand

Ein tertiärer Engstand entwickelt sich meist ab dem 20. Lebensjahr im Unterkiefer, selbst wenn die Zähne zuvor vollkommen gleichmäßig angeordnet waren. Dabei verschieben sich die Unterkieferfrontzähne. Die genauen Ursachen sind bislang umstritten. Vermutet wird, dass der Unterkiefer geringfügig weiterwächst und sich die Zähne dadurch verschieben.

Von einem tertiären Engstand ist ein Rückfall nach einer kieferorthopädischen Therapie zu unterscheiden. Dazu kann es kommen, wenn auf die Behandlung keine Erhaltungsphase folgte.

Wie wirkt sich ein Engstand aus?

Durch einen primären und sekundären Engstand können Zähne an der falschen Stelle herauswachsen (verlagert sein) oder ganz im Kiefer verbleiben (retiniert sein).

Besonders häufig sind die Weisheitszähne, die oberen Eckzähne und die zweiten kleinen Backenzähne betroffen. Die entsprechenden Zähne können nicht zum Kauen genutzt werden. Außerdem können sie zu Schmerzen, Entzündungen und Schäden der Wurzeln der Nachbarzähne führen.

In jedem Fall wird durch den Engstand die Zahnpflege erschwert. Die Zahnzwischenräume sind durch Zahnbürste und Zahnseide kaum zu erreichen. An diesen Stellen entwickeln sich schnell Karies und Entzündungen des Zahnhalteapparats (Parodontitis). Darüber hinaus ist ein Engstand insbesondere im Frontzahnbereich oft auch ein gravierendes ästhetisches Problem.

Wie wird die Fehlstellung behandelt?

Die Therapie eines Engstands richtet sich nach dem Alter des Patienten und der Ausprägung der Fehlstellung: Bei Kindern und Jugendlichen wird in der Regel das Kieferwachstum angeregt, z. B. ein zu schmaler Kiefer verbreitert, damit die Zähne ausreichend Platz finden.
Verlagerter Eckzahn

Verlagerte / retinierte Zähne

Bei einer Verlagerung liegt der sich entwickelnde Zahn im Kiefer (der Zahnkeim) oder der herausgewachsene Zahn schief. Oft ist der Zahn zusätzlich retiniert und wächst wegen der falschen Position gar nicht aus dem Kiefer heraus. Davon sind besonders die Weisheitszähne betroffen. Daneben sind häufig die oberen Eckzähne und die zweiten kleinen Backenzähne im Ober- und Unterkiefer verlagert und / oder retiniert.

Wie wirkt sich eine Verlagerung / Retention aus?

Die Zähne wachsen nicht vollständig aus dem Kiefer heraus und stehen nicht in einer Reihe mit den übrigen. Daher können sie zum Abbeißen und Kauen nicht genutzt werden. Inbesondere verlagerte oder retinierte Weisheitszähne können, je nachdem wie sie im Kiefer ausgerichtet sind, auf die Wurzeln der Nachbarzähne drücken und diese schädigen. Auch Entzündungen und Schmerzen können durch sie ausgelöst werden. Daher ist bei verlagerten und retinierten Zähnen fast immer eine Behandlung notwendig.

Was sind die Ursachen?

Meist liegt ein Engstand zugrunde: Die sich entwickelnden Zähne sind dann zwar im Kiefer richtig ausgerichtet. Sie haben aber nicht genügend Platz, um gerade herauswachsen zu können. Der sich entwickelnde Zahn (der Zahnkeim) kann allerdings auch bereits schief im Kiefer liegen, z. B. wegen einer erblichen Fehlstellung.

Wie wird diese Fehlstellung behandelt

Weisheitszähne werden in der Regel entfernt, wenn im Kiefer nicht genügend Platz ist. Verlagerte, retinierte Eck- und Backenzähne werden in die Zahnreihen eingeordnet. Dazu wird der zugrundeliegende Engstand behandelt.
Tiefbiss und Deckbiss

Kreuzbiss

Bei einem Kreuzbiss beißen die Seitenzähne nicht korrekt aufeinander. Die Seitenzähne im Oberkiefer stehen zu weit nach innen (palatinal = in Richtung Gaumen) oder die Seitenzähne im Unterkiefer stehen zu weit nach außen (bukkal = in Richtung Wange). Man unterscheidet drei Arten des Kreuzbisses:

1. Kopfbiss

Beim normalen Zusammenbiss greifen die Höcker und Grübchen der gegenüberliegenden Backenzähne ineinander, ungefähr so wie Zahnräder. Beim Zusammenbiss werden die unteren Schneidezähne zum großen Teil von den oberen Schneidezähnen überdeckt. Beim Kopfbiss hingegen treffen die Höcker der Backenzähne im Ober- und Unterkiefer sowie die Kanten der Frontzähne im Ober- und Unterkiefer aufeinander.

2. Einseitiger Kreuzbiss

Beim einseitigen Kreuzbiss beißen die Zähne von Ober- und Unterkiefer auf einer Seite korrekt aufeinander. Auf der anderen Seite ist der Biss falsch: Die Zähne des Unterkiefers stehen im Verhältnis zum Oberkiefer zu weit außen bzw. die Zähne im Oberkiefer im Verhältnis zu den Unterkieferzähnen zu weit innen. Dafür können unter anderem Zahnkippungen verantwortlich sein.

3. Beidseitiger Kreuzbiss

Beim beidseitigen Kreuzbiss beißen die Zähne in Ober- und Unterkiefer in beiden Seitenzahnbereichen falsch zusammen. Die Zähne des Unterkiefers stehen im Verhältnis zum Oberkiefer zu weit außen bzw. die Zähne im Oberkiefer im Verhältnis zu den Unterkieferzähnen zu weit innen. Dafür kann unter anderem ein zu schmaler Oberkiefer verantwortlich sein. Wenn die unteren Schneidezähne vor den oberen Schneidezähnen stehen, spricht man von einem Vorbiss.

Wie wirkt sich ein Kreuzbiss aus?

Je nach Ausprägung des Kreuzbisses kann er zu folgenden Problemen führen:

-Der Oberkiefer kann in seinem Wachstum gehemmt werden.
- Der Unterkiefer kann einseitig zur Seite des Kreuzbisses wachsen und ein "schiefes" Gesicht bedingen.
- Sind die Schneidezähne betroffen, kann die Sprachentwicklung beeinträchtigt sein, das Kind fängt z. B. an zu lispeln. Da die Zähne nicht korrekt stehen, können sie übermäßig belastet werden und sich dadurch frühzeitig abnutzen.
- Das Kiefergelenk auf der Seite des Kreuzbisses wird einseitig belastet. Das kann später zu Schmerzen und einer frühzeitigen Abnutzung des Gelenks führen.
- Darüber hinaus ist oft die Kaufunktion beeinträchtigt.

Was sind die Ursachen für einen Kreuzbiss?

In der Regel ist bei einem Kreuzbiss der Oberkiefer im Verhältnis zum Unterkiefer zu schmal. Bei einem Vorbiss, der zu einem Kreuzbiss der Schneidezähne führt, ist der Unterkiefer im Verhältnis zum Oberkiefer zu lang.

Dieses Größenungleichgewicht kann durch einen zu frühen oder zu späten Zahndurchbruch und Wachstumsstörungen entstehen. Umgekehrt kann ein Kreuzbiss das Wachstum von Ober- und Unterkiefer beeinträchtigen.

Wie wird ein Kreuzbiss behandelt?

Bei einem Kreuzbiss ist eine frühzeitige Therapie sinnvoll, oft bereits eine Frühbehandlung im Milchzahngebiss.
Offener Biss

Offener Biss

Bei einem offenen Biss bleibt eine Lücke der Schneidezähne zwischen Ober- und Unterkiefer oder der Seitenzähne bestehen, wenn die Zahnreihen geschlossen sind, also wenn die Zähne zusammengebissen werden.

Wie wirkt sich der offene Biss aus?

Bei einem offenen Biss ist es schwierig, Nahrung abzubeißen oder zu kauen. Bei Kindern kann darüber hinaus die Sprachentwicklung beeinträchtigt sein. Die Zunge schiebt sich in die Lücke zwischen den Schneidezähnen und die Kinder beginnen oft zu lispeln. Die Fehlfunktion der Zunge kann weitreichende Auswirkungen haben. Normalerweise liegt sie beim geschlossenen Mund am Gaumen an und stimuliert dadurch das Wachstum des Oberkiefers. Dieser Wachstumsreiz auf den Oberkiefer kann fehlen. Wenn der Mund durch den offenen Biss nicht mehr richtig geschlossen werden kann, führt dies zur ungünstigen Mundatmung. Sie hat zur Folge, dass die Zähne nicht mehr ausreichend von Speichel umspült werden und schneller an Karies erkranken. Außerdem geht sie mit häufigeren Erkrankungen der oberen Atemwege einher. Mundatmung kann auch durch Polypen (vergrößerte Rachenmandeln) hervorgerufen werden. Das Kind bekommt dann zu wenig Luft durch die Nase und atmet daher durch den Mund. Dies sollte von einem HNO-Arzt abgeklärt werden.

Was sind die Ursachen?

Unterschieden wird zwischen einem habituell offenen und einem skelettal offenen Biss. Ein habituell offener Biss entsteht durch ungünstige Angewohnheiten (Habits) während des Kieferwachstums. Dazu zählt Daumenlutschen oder der langfristige Gebrauch eines Schnullers. Betroffen sind dabei in der Regel die Schneidezähne. Der seltenere skelettal offene Biss hingegen entsteht durch eine Störung der Entwicklung während des Kieferwachstums und ist meist erblich bedingt.

Wie wird ein offener Biss behandelt?

Je nach Art und Ausprägung der Fehlstellung können bei einem offenen Biss können im Kindesalter folgende Apparaturen verwendet werden:

- Mundvorhofplatte
- Funktionskieferorthopädische Geräte
- verschiedene Aktive Platten
- Feste Zahnspange
- Gesichtsmaske (bei vorstehendem Unterkiefer)

Bei Erwachsenen werden in der Regel feste Zahnspangen und alternativ gegebenenfalls durchsichtige Zahnschienen (Aligner) verwendet.
Vorbiss

Zahnlücken

Zahnlücken können aus verschiedenen Gründen entstehen:

- Die Zähne sind im Verhältnis zum Kiefer zu klein und haben zu viel Platz.
- Zwischen den oberen Schneidezähnen besteht eine Lücke (Diastema). Dafür kann unter anderem ein zu straffes Lippenbändchen verantwortlich sein.
- Es fehlen im bleibenden Gebiss Zähne, die noch nicht ersetzt wurden. Dies kann auf eine Karies oder Parodontitis zurückzuführen sein. Aber auch eine Nichtanlage von Zähnen kann vorkommen.
- Kurz vor dem Zahnwechsel und während die ersten bleibenden Zähne hervortreten, sind Lücken zwischen den Milchzähnen normal. Ober- und Unterkiefer wachsen, um genügend Platz für die bleibenden Zähne zu schaffen. Die kleinen Milchzähne können die größer gewordenen Kieferbögen aber nicht mehr ganz ausfüllen.

Wie wirken sich Zahnlücken aus?

Die Zähne im bleibenden Gebiss berühren sich und stabilisieren sich gegenseitig. So können sie besser Druck ausgleichen, z. B. beim Kauen. Außerdem sind sie für korrektes Sprechen wichtig. Wenn alle Zähne vorhanden sind, aber zu viel Platz im Kiefer haben, ist daher meist eine kieferorthopädische Therapie sinnvoll. Eine Lücke zwischen den Schneidezähnen (Diastema) hingegen ist in vielen Fällen ein rein ästhetisches Problem.

Verloren gegangene Zähne sollten frühzeitig ersetzt werden, da sonst die Nachbarzähne und der gegenüberliegende Zahn in die Lücke wandern können. Dadurch wird der Zusammenbiss beeinträchtigt und es kann zu Kiefergelenksproblemen kommen.

Was sind die Ursachen?

Sind die Zähne im Verhältnis zum Kiefer zu klein, hat dies in der Regel genetische Ursache, z. B. kann das Kind von dem Vater die Kieferform und von der Mutter die Zahnform geerbt haben. Eine Nichtanlage von Zähnen ist ebenfalls häufig vererbt. Wenn die Zähne nicht angelegt waren, kann auch Ihr Kind davon betroffen sein. Ein frühzeitiger Verlust von bleibenden Zähnen wird hauptsächlich durch Karies und Unfälle ausgelöst. Er lässt sich daher in der Regel durch eine gute Zahnpflege und z. B. das Tragen von Mundschutz beim Sport vermeiden.

Wie werden Zahnlücken behandelt?

Müssen Zähne entfernt werden, wird ein Zahnersatz angepasst, z. B. eine Brücke oder ein Implantat. Unterstützend kann eine kieferorthopädische Therapie sinnvoll sein, etwa um gekippte Nachbarzähne wieder aufzurichten (Präprothetische Kieferorthopädie ). In Einzelfällen ist auch ein rein kieferorthopädischer Lückenschluss möglich.

Wenn die Zähne zu weit auseinander stehen, wird in den meisten Fällen eine feste Zahnspange eingesetzt. Je nach individuellen Voraussetzungen können auch folgende Apparaturen verwendet werden:

- Aktive Platte
- Crozat-Apparatur
- Palatinalbogen

Eine Lücke zwischen den oberen Schneidezähnen muss nicht unbedingt behandelt werden, wenn sie das Abbeißen und Sprechen nicht behindert. Die Therapie ist in der Regel einfach möglich. Falls das Lippenbändchen für die Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen verantwortlich ist, wird es durch einen kleinen Eingriff gekürzt. Im Wechselgebiss schließt sich die Zahnlücke meist anschließend von selbst. Ansonsten können entsprechend der individuellen Fehlstellung z. B. folgende Apparaturen eingesetzt werden:

- Aktive Platte
- Aktivator
- Feste Zahnspange
Fehlende Zähne

Fehlende Zähne (Nichtanlage von Zähnen)

Bei einer Nichtanlage von Zähnen fehlen einer oder mehrere der bleibenden 32 Zähne, weil ein genetischer Fehler vorliegt. Der oder die entsprechenden Zähne sind im "genetischen Bauplan" nicht vorgesehen und können sich deshalb nicht entwickeln. Im Gegensatz zum bleibenden Gebiss ist das Milchzahngebiss nur sehr selten betroffen.

Wie wirkt sich eine Nichtanlage von Zähnen aus?

Am häufigsten fehlen Weisheitszähne, bei geschätzt jedem fünften sind ein oder mehrere der hintersten Backenzähne nicht angelegt. Das hat in der Regel keinerlei negative Einflüsse auf das Gebiss. Im Gegenteil: Bei vielen Menschen sind Ober- und Unterkiefer ohnehin zu klein, als dass die Weisheitszähne gerade herauswachsen könnten.

Von den übrigen bleibenden Zähnen sind die oberen äußeren Schneidezähne am häufigsten betroffen. Die entstehende Zahnlücke sollte geschlossen werden, damit die Nachbarzähne bzw. der gegenüberliegende Zahn nicht hineinwachsen, denn das könnte eine Störung des Zusammenbisses zur Folge haben (Okklusionsstörung). Abgesehen davon ist ein Lückenschluss meist allein schon aus ästhetischen Gründen sinnvoll. Ein Fehlen von vielen Zähnen ist sehr selten und geht meist mit anderen Fehlbildungen einher.

Was sind die Ursachen für eine Nichtanlage?

Eine Nichtanlage hat in der Regel genetische Gründe. Oft fehlt bereits einem der beiden Eltern der entsprechende Zahn. Davon zu unterscheiden sind erworbene Nichtanlagen. Dabei entwickelt sich der bleibende Zahn (der Zahnkeim) zwar im Kiefer. Durch einen Zahnunfall, eine schwere Entzündung oder eine Bestrahlung wird der Zahnkeim jedoch so stark geschädigt, dass er nicht mehr weiterwächst.

Wie wird eine Nichtanlage von Zähnen behandelt?

Die Behandlung einer Nichtanlage von Zähnen richtet sich nach dem jeweiligen Einzelfall. Zur Verfügung stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, z. B: Kieferorthopädischer Lückenschluss - Dabei werden die Nachbarzähne verschoben, so dass die Zahnlücke geschlossen wird. Damit der Zusammenbiss weiterhin passt, werden auch die Zähne im gegenüberliegenden Kiefer behandelt. Diese Methode ist selbst bei Schneidezähnen möglich, gegebenenfalls mit einer Bearbeitung der Eckzähne, die dann als äußere Schneidezähne dienen. Sie wird allerdings vor allem bei Backenzähnen angewendet, da hier das Fehlen eines Zahnes weniger auffällt als bei den Frontzähnen.
Hyperdontie

Zahnüberzahl (Hyperdontie)

Eine Zahnüberzahl (Hyperdontie) liegt vor, wenn einer oder mehrere Zähne zu häufig angelegt sind. Eine Zahnüberzahl ist sehr viel seltener als eine Nichtanlage von Zähnen und kommt vorwiegend im bleibenden Gebiss vor. Überzählige Zähne können unter anderem bei den Weisheitszähnen auftreten oder als funktionsuntüchtiger, kleiner oberer Schneidezahn ("Zapfenzahn").

Was sind die Ursachen für eine Zahnüberzahl?

Die genauen Ursachen für eine Zahnüberzahl sind bislang nicht bekannt. Vermutlich liegen Entwicklungsstörungen, eine Teilung des Zahnkeims (des sich entwickelnden Zahnes im Kiefer) oder ein genetischer Fehler vor. Sie können vererbt sein, d. h. die entsprechende Veranlagung wird von den Eltern auf die Kinder übertragen.

Wie wird eine Zahnüberzahl behandelt?

Oft stört ein überzähliger Zahn die Entwicklung des bleibenden Gebisses, weil er den bleibenden Zähnen Platz wegnimmt. In diesen Fällen wird er entfernt. Wenn es möglich ist, den Zahn regelgerecht in die Zahnreihe einzuordnen, kann er gelegentlich erhalten bleiben.